Jeder weiß, was ich in meinem Leben schon alles getan habe
Kennen Sie das? Sie surfen im Internet und am nächsten Morgen quillt ihr E-Mail-Postkorb vor Werbemails fast über?
Wenn Ja, dann haben Sie wieder einmal Spuren in der virtuellen Welt hinterlassen. Gerade Jugendliche verhalten sich im Internet
sorglos, geben ihr Leben in verschiedenen sozialen Netzwerken preis und viele von uns gehen auf ihre Weise unachtsam mit ihren
persönlichen Daten um: Denn wir wissen nicht, was wir tun!
Grund genug für die Berufsbildende Schule Landstuhl am 11.11.2011 einen Studientag zum Thema „Datenschutz“ abzuhalten.
In zwei Fachvorträgen und drei Workshops wurden die Lehrerinnen und Lehrer für dieses brisante Thema, von dem jeder betroffen ist,
sensibilisiert. „Irgendwie ist jeder online, ob er will oder nicht. Allein 3 Milliarden neue Bilder werden pro Monat auf dem
sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht. Da fragt keiner, ob Sie, falls Sie auf einem Foto zu sehen sind, der Veröffentlichung
auch zugestimmt haben“, erklärte Referent Dr. Gerolf Starke vom auf Datenschutz spezialisierten Kaiserslauterer Unternehmen IBS.
Starke zeigte in seinem Vortrag auf, dass das Offenbaren von Privatem ein Massenphänomen sei.
Auch die jüngere Generation, die mit dem Internet aufwachse, nehme dies alles als Selbstverständlichkeit hin. Problem sei aber,
dass diese Daten nicht sicher seien, so Starke. „Zwar haben wir ein Bundesdatenschutzgesetz, das besagt, dass bezüglich
Datenveröffentlichung zunächst alles verboten ist, solange keine Erlaubnis per Gesetz oder seitens der betreffenden Person vorliegt“,
betonte der Datenschutzexperte, schränkte jedoch ein, dass dieses Gesetz nicht zwingend auch für ausländische Firmen wie Google oder
Facebook gelte. Ein internationaler Datenschutz existiere nicht. Wichtig sei deshalb, appellierte Starke an das Kollegium, die
Schüler in Sachen Datenschutz zu erziehen.
Aufgeklärt werden müsse der Schüler vor allem in zwei Bereichen: Selbst- und Fremddatenschutz. Zu Ersterem zählt Starke den Schutz
der eigenen Privatsphäre, z. B. durch Anonymität, Nutzung von Einmal-E-Mail-Adressen und einem aufgeklärten Medienumgang. Unter dem
Begriff Fremddatenschutz versteht Starke vor allem, „dass man keine Daten anderer ohne deren Wissen in irgendeiner Form veröffentlicht“.
Denn die Internetfirmen erweisen sich als Jäger und Sammler von Nutzerdaten, um damit maßgeschneiderte Anzeigen zu verkaufen,
erklärte Helmut Eiermann, seines Zeichens Gruppenleiter für Technik beim Landesbeauftragten für Datenschutz, in seinem Vortrag.
Das sei ihr wirtschaftliches Ziel, damit verdienten Google & Co. ihr Geld. Allein in Deutschland seien im vergangenen Jahr fünf
Milliarden Euro mit Online-Werbung umgesetzt worden, so Eiermann, der Klartext redete: „Mit Cookies, die man als Internetnutzer
unbedacht zulässt, werden Daten gespeichert, etwa welche Internetseiten man besucht hat. Mit diesen Daten werden dann
zielgruppengerecht Anzeigen geschaltet.“ Vor allem Facebook und Google, denen zusammen 28 Prozent der Onlinezeit eines Nutzers
gehörten, wüssten manchmal mehr über eine Person als die Person über sich selbst, so Eiermann. „Viele Daten werden bei Google und
Facebook nicht gelöscht“, deshalb warnte Eiermann davor, unbedacht irgendwelche personenbezogenen Inhalte zu veröffentlichen.
Für die „Jugendsünden“ in der virtuellen Welt gibt es kein Verfallsdatum - sie bleiben. So kann ein „Partybild“ die berufliche
Karriere erheblich gefährden und damit die Zukunftschancen verbauen.
In den anschließenden Workshops zu Cybermobbing, Datenschutz in der Schule und Datenschutz im Web 2.0 vertieften die Lehrerinnen
und Lehrer das Wissen aus den Vorträgen an Beispielen aus dem Schulalltag. Wichtig, und darin waren sich alle einig, ist die
Aufklärung der Schüler in Sachen Datenschutz.
„An unserer Schule sehen wir Datenschutz als einen Schwerpunkt der beruflichen Bildung. Deshalb nehmen wir dieses Thema in unser
Qualitätsprogramm auf“, erklärte Schulleiterin Emilie Lauer. Zwar sei das Thema Datenschutz schon seit Jahren in verschiedenen
Lehrplänen der berufsbildenden Schule vertreten, aber durch den kommunikationstechnischen Fortschritt jedoch habe die Gefährdung
der informationellen Selbstbestimmung eine neue Dimension erhalten. So wie sich diese Gefährdung durch unterschiedlichste
Lebensbereiche ziehe, müsse auch die Aufklärung und die Erziehung zum Selbstschutz in der gesamten beruflichen Bildung verstärkt
präsent sein. Konkret solle in fächerübergreifenden Unterrichtseinheiten der Datenschutz aus unterschiedlichen Blickwinkeln
beleuchtet werden. Auch durch einen Projekttag werde die berufliche Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler gefördert.
In dieser Form der Behandlung des Themas spiele die Berufsbildende Schule Landstuhl eine Vorreiterrolle, für die sich auch der
Landesdatenschutzbeauftragte interessiere.
Fazit des Studientages:
Der Umgang mit personenbezogenen Daten muss gelernt werden - vom Lehrer, vom Schüler, von der
Gesellschaft.
